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Grab auf christl. Friedhof
Jüdischer Friedhof Bisperode (Lange Str.)
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Jüdischer Friedhof Bisperode (Lange Str.)

Anschrift:
Lange Straße
31868 Coppenbrügge
Anreise:
An der südlichen Ausfallstraße in Richtung Harderode und Halle; am östlichen Rande des christlichen Dorffriedhofes; keine eigenständige jüdische Friedhofsanlage

Kurzbeschreibung

Beim Jüdischen Friedhof Bisperode handelt es sich um keinen eigenständigen Friedhof, sondern um zwei Grabsteine eines jüdischen Ehepaars auf dem christlichen Friedhof des Ortes.


Allgemeine Hinweise zur Besichtigung jüdischer Friedhöfe:
Für den Besuch jüdischer Friedhöfe gelten einige Regeln, die alle Besucher*innen einhalten sollten. Männliche Besucher müssen eine Kopfbedeckung tragen; das Betreten von Gräbern soll vermieden werden; Essen und Trinken ist nicht gestattet. An jüdischen Feiertagen sowie am Schabbat (Freitagnachmittag bis Samstagabend) ist der Friedhofsbesuch untersagt. Manche Friedhöfe sind verschlossen, bitte wenden Sie sich für eine Besichtigung an die entsprechenden Ansprechpartner*innen. Vielerorts werden Führungen über den Friedhof angeboten. Informationen hierzu können Sie der Lokalpresse oder der Internetseite der politischen Gemeinde entnehmen.
Jüdischer Friedhof - Dokumentation:

Die Inschriften der beiden Grabsteine lauten:

Hier ruhet sanft
der Kaufmann Moses Spiegelberg
geb. d. 11. Mai 1815
gest. d. 22. Mai 1866
Die Seligkeit, die Vater Du
gehofft, sie wird dir werden, denn
eine Zukunft giebs und deine
Hoffnung wird nicht abge-
schnitten.

Hier ruhet Frau
Esther Spiegelberg
geb. Wolfes
geb. April 1827
gest. 17. Febr. 1901
Schlicht, gerade und
gottesfürchtig
Hiob 1

Quellennachweis:
Autor: Bernhard Gelderblom

Eine singuläre Ausnahme in der Region bilden die beiden jüdischen Grabsteine auf dem christlichen Friedhof Bisperode.

Daten zur Geschichte:
• Bisperode: Im 19. Jahrhundert zeitweise Wohnort einzelner jüdischer Familien aus dem Nachbarort Halle, zum Landrabbinat Braunschweig gehörend
• Ursprünglich am Rand des christlichen Friedhofs an der Böschung zur Straße aufgestellt und von einem Eisenzaun umgeben
• In der NS-Zeit nicht zerstört
• Nach dem Zweiten Weltkrieg um einige Meter auf das Gelände des Dorffriedhofs gerückt und zu ihrem Schutz zeitweise auf den Boden gelegt
• 2010 Aufrichtung der Steine und Aufstellung einer Erinnerungs- und Informationstafel (Text Bernhard Gelderblom)


Text der Erinnerungs- und Informationstafel (Autor: Bernhard Gelderblom):

Die beiden Grabsteine der Eheleute Spiegelberg

Jüdische Grabsteine auf einem christlichen Friedhof? Das entspricht nicht dem jüdischen Ritualgesetz und ist auch aus christlicher Sicht ungewöhnlich.

In Bisperode hat es nie einen jüdischen Friedhof gegeben. Die beiden Grabsteine der Eheleute Spiegelberg standen ursprünglich außerhalb dieses Friedhofes, an der Böschung zur Straße, die nach Harderode führt. Die kleine Familiengrabstätte war mit einem gusseisernen Zaun umgeben. Während der Pogromnacht des 9. November 1938 zerstörten Nationalsozialisten die Grabsteine aller jüdischen Friedhöfe der Umgebung, allein diese hier blieben vom Vandalismus verschont.

Nach dem Kriege rückte man die beiden Steine um einige Meter auf das Gelände des christlichen Friedhofes und legte sie flach auf den Boden. Inzwischen haben sie – wieder aufgerichtet – im Eingangsbereich des Friedhofes einen würdigen Platz gefunden, so dass auch ihr hebräischer Text auf der Rückseite sichtbar ist.

Die jüdische Kaufmannsfamilie Spiegelberg lebte spätestens seit 1781 in Bisperode, denn in diesem Jahr wurde Jacob Spiegelberg hier geboren. Die Familie kam vermutlich aus dem nahen Lauenstein, wo sie schon länger ansässig war. Im Jahre 1850 kaufte Jacobs Sohn Moses das Haus Voremberger Straße 11 als Wohn- und Geschäftshaus. Mit seiner Ehefrau Esther, geb. Wolfes, hatte er fünf Kinder. Zum Gottesdienst musste Moses in das zwölf Kilometer entfernte Halle gehen, weil es in Bisperode keine Synagoge gab.

Als Moses Spiegelberg 1866 starb und seine Ehefrau Esther 1901, fanden beide am Rande des christlichen Friedhofes ihr Grab. Da sie ihr Leben lang in Bisperode gewohnt und gearbeitet hatten, wollten sie auch hier bestattet werden.

Eine Tochter der Eheleute, die 1863 in Bisperode geborene Elise Spiegelberg, verheiratete Rudnicki, wurde im Juli 1942 als 79-Jährige aus einem Berliner Altersheim in das Ghetto Theresienstadt deportiert und starb dort am 5. September 1942.

Nachkommen der Familie leben heute in Deutschland, England, Frankreich, Australien, Kanada und in der Südafrikanischen Union [sic].

Quellennachweis:
Gelderblom Hameln (zuletzt eingesehen am 09.09.2025)
B. Gelderblom, „Jüdisches Leben im mittleren Weserraum zwischen Hehlen und Polle Von den Anfängen im 14. Jahrhundert bis zu seiner Vernichtung in der nationalsozialistischen Zeit ; ein Gedenkbuch“. Mitzkat, Holzminden, 2003. GBV

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Verknüpfte Personen:
Literatur zur Einrichtung:
Gelderblom, Bernhard Jüdisches Leben im mittleren Weserraum zwischen Hehlen und Polle, von den Anfängen im 14. Jahrhundert bis zu seiner Vernichtung in der nationalsozialistischen Zeit ; ein Gedenkbuch, 2003, GVK

Administrative Angaben

Datensatz erzeugt:
2025-01-09T11:45:56Z
Zuletzt geändert am:
2025-10-16T07:36:37Z
In Portal übernommen am:
2025-11-14T09:43:05+01:00
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