Hinweis: Um die korrekte Darstellung der Seite zu erhalten, müssen Sie beim Drucken die Hintergrundgrafiken erlauben.
Zurück zur Übersicht
Friedhof
Jüdischer Friedhof Bad Münder am Deister (Deisterallee)
Slider Bild - Creative Commons Namensnennung, nicht kommerziell, Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0
Slider Bild - Creative Commons Namensnennung, nicht kommerziell, Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0
Slider Bild - Creative Commons Namensnennung, nicht kommerziell, Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0
1/3

Jüdischer Friedhof Bad Münder am Deister (Deisterallee)

Anschrift:
Deisterallee 27
31848 Bad Münder am Deister
Anreise:
Deisterallee (Ecke Mönjesod; Ausfallstraße in Richtung Osten); 658 qm von ursprünglich 2424 qm (davon wurde früher ein größerer Teil als Garten genutzt).

Kurzbeschreibung

Dieser Friedhof wurde 1782 zuerst bezeugt. Heute sind 28 Steine aus dem Belegungszeitraum von 1826 bis 1917 durch die jüdische Gemeinde Bad Münder belegt. Weitere Informationen finden Sie im Denkmalatlas Niedersachsen des NLD.

Allgemeine Hinweise zur Besichtigung jüdischer Friedhöfe:
Für den Besuch jüdischer Friedhöfe gelten einige Regeln, die alle Besucher*innen einhalten sollten. Männliche Besucher müssen eine Kopfbedeckung tragen; das Betreten von Gräbern soll vermieden werden; Essen und Trinken ist nicht gestattet. An jüdischen Feiertagen sowie am Schabbat (Freitagnachmittag bis Samstagabend) ist der Friedhofsbesuch untersagt. Manche Friedhöfe sind verschlossen, bitte wenden Sie sich für eine Besichtigung an die entsprechenden Ansprechpartner*innen. Vielerorts werden Führungen über den Friedhof angeboten. Informationen hierzu können Sie der Lokalpresse oder der Internetseite der politischen Gemeinde entnehmen.
Jüdischer Friedhof - Dokumentation:

1989/1990 wurde der Friedhof durch den Landesverband/Zentralarchiv dokumentiert (Fotos, Rohübersetzung: alle Steine). Auch Bernhard Gelderblom dokumentierte (1991 Fotos, 1997 Abschriften). Im Jahr 1997 wurde durch Prof. Berndt Schaller eine weitere Dokumentation durchgeführt (Abschrift: alle Steine).

Schändung und Zustand bis heute:

Nach den Ereignissen des Novemberpogroms 1938, das für Bad Münder die Verwüstung der Synagoge und die Verschleppung von drei Männern in das Konzentrationslager Buchenwald brachten, war die jüdische Gemeinde gezwungen, die unbelegte Hälfte des Grundstücks verkaufen.

Der Bürgermeister der Stadt setzte 1939 die Schließung des Friedhofs durch. Zu der von ihm geplanten Nutzung des Geländes als Schießstand kam es jedoch nicht. 1941 wurde auch der als Friedhof genutzte Teil an einen Privatmann verkauft, der die Grabsteine abräumte und das Gelände als Gemüsegarten nutzte.

1953 erhielt der Landesverband der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen einen Teil des Grundstücks zurück. Ohne Wissen um den ursprünglichen Standort der Grabsteine ließ dieser 1961 den Friedhof wiederherstellen. Von den 1939 noch vorhandenen 39 Steinen konnten 28 gerettet und wieder aufgestellt werden.

2013 wurde eine Informationstafel von der Stadt Bad Münder aufgestellt. Der Text wurde von Bernhard Gelderblom verfasst.

Autor: Bernhard Gelderblom

Den ursprünglich weit außerhalb der Stadt angelegten jüdischen Friedhof von Bad Münder schlossen die Nationalsozialisten 1939 und bestimmten Lauenau zum neuen Begräbnisplatz.

Daten zur Geschichte:
• 1782 zuerst bezeugt
• Letzte Beerdigung 1937
• 1938 zerstört; erzwungener Verkauf der unbelegten und als Garten benutzten Fläche
• 1939 offizielle Schließung; Friedhof in Lauenau vom Regierungspräsidenten als Ersatzfriedhof bestimmt
• 1941 Verkauf der als Friedhof genutzten Fläche durch die „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ an einen Privatmann, der das Gelände als Gemüsegarten nutzte
Die meisten Grabsteine verwendete der neue Eigentümer zur Abstützung des nach Westen hin abfallenden Geländes. Um sie „passend“ zu machen, schlug er die vorspringenden Giebel ab.
• 1953 Rückerstattung des ursprünglich als Friedhof genutzten Geländeteils
• 1961 Aufstellung von 29 geborgenen Grabsteinen
• 2015 Installation einer Erinnerungs- und Informationstafel (Text Bernhard Gelderblom)


Erinnerungs- und Informationstafel auf dem jüdischen Friedhof der jüdischen Gemeinde Bad Münder (Autor: Bernhard Gelderblom):

Der Friedhof der jüdischen Gemeinde Bad Münder ist zuerst 1782 bezeugt. Es handelt sich um ein ursprünglich sehr großes, weit vor der Stadt liegendes Grundstück, von dem nur ein Teil als Friedhof genutzt wurde.

Nach den schrecklichen Ereignissen der Pogromnacht des 9. November 1938, die für Bad Münder die Verwüstung der Synagoge und die Verschleppung von drei Männern in das Konzentrationslager Buchenwald brachten, war die jüdische Gemeinde gezwungen, die unbelegte Hälfte des Grundstücks verkaufen.

Der Bürgermeister der Stadt setzte 1939 die Schließung des Friedhofs durch. Zu der von ihm geplanten Nutzung des Geländes als Schießstand kam es jedoch nicht. 1941 wurde auch der als Friedhof genutzte Teil an einen Privatmann verkauft, der die Grabsteine abräumte und das Gelände als Gemüsegarten nutzte.

1953 erhielt der Landesverband der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen einen Teil des Grundstücks zurück. Ohne Wissen um den ursprünglichen Standort der Grabsteine ließ dieser 1961 den Friedhof wiederherstellen. Von den 1939 noch vorhandenen 39 Steinen konnten 28 gerettet und wieder aufgestellt werden.

Nach jüdischem Verständnis ist ein Friedhof ein „Haus der Ewigkeit“, ein heiliger, unantastbarer Ort. Im Blick auf die leibliche Auferstehung der Toten am Ende der Tage hat die Ruhe der Toten dauerhaft zu sein. Die Schauseite der Steine ist in Richtung Jerusalem ausgerichtet – dorthin, wo der Messias als erster auferstehen wird.

Neben dem Gebäude der ehemaligen Synagoge ist dieser Friedhof das einzige Zeugnis des einstigen reichen jüdischen Lebens in Bad Münder. In der Zeit des Nationalsozialismus – 1933-1945 – wurden die jüdischen Bürgerinnen und Bürger der Stadt ohne erkennbaren Protest der Bevölkerung von Bürgern der Stadt entrechtet und gedemütigt. Sie wurden verjagt oder deportiert und in den Vernichtungslagern ermordet. Wir dürfen dieses Unrecht nie vergessen.

Quellennachweis:
Bernhard Gelderblom, Der jüdische Friedhof in Bad Münder, in: Der Söltjer. Streifzüge durch Bad Münder und das Deister-Süntel-Tal, Heft 38, 2013, S. 58-67.
Gelderblom Hameln (zuletzt eingesehen am 09.01.2024)

Touristische Informationen // Datensätze, die Sie ebenfalls interessieren könnten

Literatur zur Einrichtung:
Gelderblom Hameln (zuletzt eingesehen am 09.01.2024) http://www.gelderblom-hameln.de/judenhameln/friedhoefe/judenfriedmuender.php?name=muender, http://www.gelderblom-hameln.de/judenhameln/friedhoefe/judenfriedmuender.php?name=muender

Administrative Angaben

Datensatz erzeugt:
2024-02-29T14:18:18Z
Zuletzt geändert am:
2025-10-16T07:35:17Z
In Portal übernommen am:
2025-11-14T09:42:48+01:00
Fehlt etwas? Helfen Sie mit!

Das Onlineportal wächst stetig weiter.
Unterstützen Sie uns dabei, diese Leerstelle zu füllen oder Fehler zu korrigieren.

Ihre Daten werden sicher durch ein SSL-Zertifikat übertragen. Sollten Sie weitere Fragen zum Datenschutz haben, klicken sie bitte hier: Informationen zum Datenschutz

Wir verwenden Cookies und ähnliche Technologien, um Ihnen das bestmögliche Online-Erlebnis zu bieten und Inhalte auf Ihre Interessen anzupassen. Mittels der eingesetzten Technologien können Informationen auf Ihrem Endgerät gespeichert, angereichert und gelesen werden.
Mit einem Klick auf „Alles erlauben“ stimmen Sie dem Zugriff auf Ihr Endgerät zu sowie der Verarbeitung Ihrer Daten, der webseiten- sowie partner- und geräteübergreifenden Erstellung und Verarbeitung von individuellen Nutzungsprofilen sowie der Weitergabe Ihrer Daten an Drittanbieter zu.
 

Notwendige Cookies

Diese Cookies sind notwendig, damit Sie durch die Seiten navigieren und wesentliche Funktionen nutzen können. Sie ermöglichen Grundfunktionen, wie z.B. Zugriff auf gesicherte Bereiche der Webseite. Zudem dienen sie der anonymen Auswertung des Nutzerverhaltens, die von uns verwendet werden, um unsere Seite stetig für Sie weiterzuentwickeln.

Statistik-Cookies

Diese Cookies helfen uns, das Nutzungsverhalten besser zu verstehen. Statistik-Cookies ermöglichen die Erhebung von Nutzungs- und Erkennungsmöglichkeiten durch Erst- oder Drittanbieter, in so genannten anonymisierten Nutzungsprofilen. Wir benutzen beispielsweise Analyse-Cookies, um die Zahl der individuellen Besucher einer Webseite oder eines Dienstes zu ermitteln oder um andere Statistiken im Hinblick auf den Betrieb unseres Portals zu erheben, als auch das Nutzerverhalten auf Basis anonymer Informationen zu analysieren, wie Besucher mit der Webseite interagieren. Ein unmittelbarer Rückschluss auf eine reale Person ist dabei nicht möglich.