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Friedhof
Jüdischer Friedhof Duingen (Im Südfelde)
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Jüdischer Friedhof Duingen (Im Südfelde)

Anschrift:
Im Südfelde
31089 Duingen
Anreise:
Auf einer Kuppe weit außerhalb des Dorfes in südöstlicher Richtung.

Kurzbeschreibung

Dieser Friedhof wurde ab Anfang des 19. Jahrhunderts belegt. Heute sind 13 Grabsteine aus dem 1874 bis 1919 erhalten. Weitere Informationen finden Sie im Denkmalatlas Niedersachsen des NLD.

Allgemeine Hinweise zur Besichtigung jüdischer Friedhöfe:
Für den Besuch jüdischer Friedhöfe gelten einige Regeln, die alle Besucher*innen einhalten sollten. Männliche Besucher müssen eine Kopfbedeckung tragen; das Betreten von Gräbern soll vermieden werden; Essen und Trinken ist nicht gestattet. An jüdischen Feiertagen sowie am Schabbat (Freitagnachmittag bis Samstagabend) ist der Friedhofsbesuch untersagt. Manche Friedhöfe sind verschlossen, bitte wenden Sie sich für eine Besichtigung an die entsprechenden Ansprechpartner*innen. Vielerorts werden Führungen über den Friedhof angeboten. Informationen hierzu können Sie der Lokalpresse oder der Internetseite der politischen Gemeinde entnehmen.
Jüdischer Friedhof - Dokumentation:

Im Jahr 1989 erfolgte eine Dokumentation durch Bernhard Gelderblom (Fotos, Abschriften). 1989/1990 wurde der Friedhof durch den Landesverband/das Zentralarchiv bearbeitet (Fotos, Rohübersetzung: alle Steine).

Schändung und Zustand bis heute:

Wie Zeitzeug*innen berichten, haben Duinger SA-Männer den Friedhof im Jahr 1938 am helllichten Tage zerstört. Sie warfen die Steine um und zerbrachen sie teilweise.
In der Nachkriegszeit soll es nach Aussage von Zeitzeug*innen wegen der Zerstörung des Friedhofes zu einem Prozess gekommen sein, in dem die Täter zu Geldstrafen verurteilt wurden. Der Friedhof selbst wurde wiederhergestellt. Auf Reparaturarbeiten verweisen mehrere mit Hilfe von Mörtel nachträglich zusammengesetzte Steine. Aus der Nachkriegszeit dürfte auch die niedrige Mauer stammen, die den Friedhof umgibt. Kurze Zeit nach seiner Wiederherstellung wurde der Friedhof erneut beschädigt. Darauf weisen Spuren von Beilhieben hin, die viele Grabsteine besonders in den Schriftfeldern zeigen. Ob es bei dieser zweiten Zerstörung auch Totalverluste von Steinen gegeben hat, lässt sich nicht mehr feststellen.

Quellennachweis:
B. Gelderblom, „Die Juden in den Dörfern des Fleckens Salzhemmendorf“. Mitzkat, Holzminden, 2013. GBV
Autor: Bernhard Gelderblom

Duingen war Teil des Synagogenverbandes Salzhemmendorf.

Daten zur Geschichte:
• Anfang 19. Jahrhundert gegründet
• Im April 1939 zerstört, aber nicht abgeräumt
• Nach 1945 wiederhergestellt und erneut zerstört
• Bis 2006 stark verwildert
• In den Jahren 2006-2008 durch den Heimat- und Kulturverein Duingen wiederhergestellt, unterstützt durch den Landesverband und durch Bernhard Gelderblom


Ansprache von Bernhard Gelderblom anlässlich der Einweihung des wiederhergestellten Friedhofs am 8. Oktober 2008:

Die Wiederherrichtung des Friedhofes Duingen durch den Heimat- und Kulturverein Duingen
Am 1. Juni 2006 erreichte mich eine E-Mail von Jürgen Schroll aus Duingen. Der Heimat- und Kulturverein Duingen wolle den jüdischen Friedhof herrichten und suche dazu sachkundige Hilfe. Ich kannte den weit abseits des Dorfes gelegenen Friedhof von einem Besuch in der Mitte der 1980er Jahre. Damals war er schwer beschädigt, fast ohne Bewuchs – ein kahler, wüster Ort, der frieren machte. Außerdem hatte ich Kontakt zu Nachkommen der Duinger jüdischen Familie Binheim in Israel.
Der Kontakt mit dem Vorsitzenden des Heimat- und Kulturvereins Duingen, Dr. Möller, kam rasch zustande. Nach meinem letzten Besuch des Friedhofes waren gut zwanzig Jahren vergangen. Da lag er, die Steine von Bäumen und Büschen fast ganz überwachsen; sommerlich leuchteten die roten Früchte der Eberesche und die wilde Rose duftete – ein romantischer Ort, aber die Steine im selben schlimmen Zustand wie früher.
Dr. Möller erklärte, dass der Verein bereit sei, den Friedhof mit ehrenamtlichen Kräften wieder herzurichten; er brauche aber Anleitung und finanzielle Unterstützung für das Vorhaben. Bei einem Besuch von Herrn Riethmüller, dem Friedhofsbeauftragten des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, wurde ein Einverständnis über das weitere Vorgehen gefunden. Herr Riethmüller begrüßte die Aktivitäten des Vereins und sagte eine finanzielle Unterstützung des Landesverbandes zu.
Noch 2006 ging die Arbeit los, zuerst mit dem Säubern der Fläche von Sträuchern etc. Ich hörte bei häufigen Telefonaten und sah in Abständen bei zahlreichen Treffen vor Ort die Fortschritte, aber auch manche unerwartete Probleme:
• Die völlig marode Umfassungsmauer, die neu gegründet werden musste
• Die Freilegung einer Quelle, die das Gelände über Wochen unter Wasser setzte
Trotz der genannten Widrigkeiten ging es weiter, ohne Verdruss und mit Fröhlichkeit und Energie.
Über mehr als zwei Jahre ging die Arbeit, vom Sommer 2006 bis zum Herbst 2008. Sie hatte eine Qualität, wie sie nur ein Verein leisten kann, der nicht nur körperliche Arbeit und Geld, sondern auch seine vielen Beziehungen zur Verfügung stellte, die es an einem überschaubaren Ort wie Duingen ermöglichen, einen Bagger, Beton und Pflanzen etc. billiger zu bekommen.
Jüdische Friedhöfe sind in vielen Orten die letzten Zeugen jüdischen Lebens. Die Menschen sind ja fort, geflüchtet, vertrieben, teilweise gemordet. Die Friedhöfe erzählen, wenn man sie lesen mag, von menschlichen Schicksalen, von den früheren jüdischen Nachbarn, gute und schlimme Geschichten.
Ich hatte Gelegenheit, in Duingen bei einem Vortrag über das frühere jüdische Leben im Ort zu berichten und habe noch nie ein so intensives und offenes Gespräch im Anschluss an den Vortrag erlebt. Dass es diese Offenheit gab, war die Frucht der Arbeit, die für den Friedhof geleistet worden war.
Der Heimat- und Kulturverein Duingen hat nicht nur für die äußere Verschönerung des Ortsbildes gesorgt, sondern sich einer unerledigten Geschichte gestellt. Die mehrfachen Zerstörungen des Friedhofes (auch nach 1945 noch) galten ja letztlich den Menschen, die entweder längst vertrieben oder im Osten gemordet worden waren.
In der Bevölkerung Duingens war das Engagement zugunsten des Friedhofes nicht ganz unumstritten. Umso mutiger und umso höher zu bewerten dieser Einsatz.
Hier ist eine unselige Geschichte, die mit der Schuld unserer Väter zu tun hat, zu einem guten Ende gebracht worden. Der Friedhof erzählt noch immer von den Verletzungen, die ihm beigebracht wurden, aber er erzählt ebenso von seiner liebevollen Pflege, die er durch das großartige Engagement der Bevölkerung eines Ortes erfahren hat.

Quellennachweis:
www.gelderblom-hameln.de/judenhameln/friedhoefe/judenfriedduingen.php (zuletzt eingesehen am 09.01.2025)
Gelderblom Hameln (zuletzt eingesehen am 26.09.2025)

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Literatur zur Einrichtung:
Gelderblom Hameln (zuletzt eingesehen am 26.09.2025) http://www.gelderblom-hameln.de/judenhameln/friedhoefe/judenfriedduingen.php?name=duingen, http://www.gelderblom-hameln.de/judenhameln/friedhoefe/judenfriedduingen.php?name=duingen

Administrative Angaben

Datensatz erzeugt:
2024-03-11T12:23:21Z
Zuletzt geändert am:
2025-10-16T07:40:15Z
In Portal übernommen am:
2025-11-14T09:43:14+01:00
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