Nach der Staatsgründung
Irakische Jüd*innen verlassen den Flughafen Lod, 1951;
National Photo Collection of Israel, Photography dept. Government Press Office.
In der Nacht der Gründung Israels durch David Ben-Gurion, vom 14. auf den 15. Mai 1948, endete das britische Mandat über die Region. Am 15. Mai wurde Israel von Ägypten, Transjordanien, Syrien, Libanon und dem Irak der Krieg erklärt. Obwohl die USA Israel bereits am 15. Mai und damit drei Tage vor der Sowjetunion als Staat anerkannten, gab es kaum Unterstützung zur Selbstverteidigung durch den "Westen".
Die USA hatten sogar von November 1947 bis Mai 1948 ein UNO-Waffenembargo befürwortet, was die Aussicht auf eine erfolgreiche Staatsgründung nahezu verhinderte. Während die arabische Seite kein Problem hatte, an Waffen zu kommen, war die israelische auf den Schmuggel von Waffen angewiesen. Diese kamen zum Großteil aus der Tschechoslowakei.
Dennoch gelang es Israel den Unabhängigkeitskrieg zu gewinnen. Israel konnte gegenüber dem ursprünglichen Teilungsplan an Gebiet gewinnen.
Das palästinensische Flüchtlingsproblem
Hatten die Jüd*innen nun gegen alle Hindernisse einen souveränen Staat erkämpft und verteidigt, bedeutete der Unabhängigkeitskrieg für vermutlich 650.000 palästinensische Araber*innen einen Verlust ihrer Heimat.
Dem Historiker Benny Morris zufolge sind die Gründe dafür vielschichtig:
Ein Großteil der Menschen ist aus Angst vor den Kriegsfolgen und der Erwartung eines jüdischen Sieges geflohen. Vermutlich weniger als 100.000 Menschen sind direkt durch jüdische Soldat*innen vertrieben worden. Eine andere Minderheit ist auf Anordnung von arabischen Befehlshabern geflohen. Entgegen der bis heute verbreiteten Vorstellung war die Vertreibung von palästinensischen Araber*innen zu keinem Zeitpunkt eine offizielle politische israelische Leitlinie.
"Die meisten der Vertriebenen rechneten wahrscheinlich damit, dass sie innerhalb von Wochen oder Monaten in ihre Heimat zurückkehren würden, sei es im Schlepptau der siegreichen arabischen Armeen, auf der Grundlage eines UN-Beschlusses oder mithilfe einer Intervention der Großmächte. Nur wenige erwarteten, dass ihr Flüchtlingsstatus ein Leben lang anhalten oder ihre Kinder und Enkelkinder miteinschließen würde. Aber es kam so." (Benny Morris, 1948. Der erste arabische-israelische Krieg, S. 538)
Nach dem gewonnenen Unabhängigkeitskrieg weigerte sich nicht nur Israel, die geflohenen Menschen rückkehren zu lassen. Auch die arabischen Staaten verwehrten den Flüchtlingen die Aufnahme in ihre Mitte.
Ein weiteres Flüchtlingsproblem
Die kriegerische Auseinandersetzung zwischen Israelis und Araber*innen führte auch zur Flucht und Vertreibung von ca. 500.000 bis 600.000 und Jüd*innen der arabischen Welt. Das war nahezu die gesamte jüdische Bevölkerung dieser Länder. Ein Großteil dieser Flüchtlinge fand, nachdem sie kaum noch in arabischen Ländern leben konnten, in Israel Zuflucht.
Weiteres zu diesem Thema:
- Stephan Grigat bei der Bundeszentrale für politische Bildung über "Flucht und Vertreibung von Juden aus den arabischen Ländern"
- Deutschlandfunk Kultur über Benny Morris Buch "Die Geburt des palästinensischen Flüchtlingsproblems"
- Hier finden Sie ein Interview der Bundezentrale für politische Bildung mit Benny Morris zum Thema "Der erste arabisch-israelische Krieg".