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Historischer Hintergrund

zum israelbezogenen Antisemismus

Der israelbezogene Antisemitismus ist keine neue Erscheinung, sondern Teil einer langen Traditionslinie des Hasses gegen Jüd*innen. Er hat sich im Laufe der Geschichte lediglich sprachlich, politisch und ideologisch verändert.
 

Über Jahrhunderte wurden Jüd*innen als "fremd", "gefährlich" oder "verschwörerisch" dargestellt. Nach der Schoa verlagerte sich der offene Hass zunehmend – anstatt "die Juden" direkt zu attackieren, wird heute häufig der Staat Israel als Projektionsfläche für antisemitische Stereotype genutzt.

Klassischer Antisemitismus (bis Anfang 20. Jahrhundert)

Der klassische Antisemitismus richtete sich gegen Jüd*innen auf religiöser, wirtschaftlicher und später auch rassistischer Grundlage. Jüdische Menschen galten über Jahrhunderte hinweg als "anders" und wurden immer wieder zur Zielscheibe von Misstrauen, Hass und Gewalt.
 

Ihnen wurde vorgeworfen, für Krankheiten, Kriege oder wirtschaftliche Krisen verantwortlich zu sein. Besonders im Mittelalter verbreiteten sich Verschwörungsmythen wie die Ritualmordlegende, die Brunnenvergiftung oder die Vorstellung einer "jüdischen Weltverschwörung". Diese Zuschreibungen zeichneten ein feindliches Weltbild, das in einem scharfen Gegensatz zwischen dem "guten Christen" und dem "bösen Juden" dachte – ein Dualismus, der über Jahrhunderte das christliche und gesellschaftliche Denken prägte.

Antizionismus vor 1948

  

Mit dem Aufkommen des politischen Zionismus im späten 19. Jahrhundert – also der Bewegung, die die nationale Selbstbestimmung des jüdischen Volkes anstrebte – entwickelte sich eine neue Form der Ablehnung.
 

Viele nichtjüdische Regierungen, darunter die osmanische und die britische, lehnten jüdische Staatlichkeitsbestrebungen ab oder begegneten ihnen mit Misstrauen. Zugleich sahen auch manche jüdische Gruppen den Zionismus kritisch. Orthodoxe Strömungen lehnten ihn aus religiösen Gründen ab, da die Rückkehr ins Land Israel erst mit dem Kommen des Messias als legitim galt. Assimilierte Jüd*innen fürchteten hingegen, der Zionismus könne ihre Zugehörigkeit zu den europäischen Nationalstaaten infrage stellen.
 

Zionist*innen wurden deshalb teilweise beschuldigt, ihre nationale Loyalität gegenüber den Ländern, in denen sie lebten, zu untergraben. Der frühe Antizionismus verband sich so mit alten antijüdischen Stereotypen und legte den Grundstein für spätere Formen des israelbezogenen Antisemitismus.

Nach der Staatsgründung 1948: Übergang zum israelbezogenen Antisemitismus

  

Mit der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 verlagerte sich der traditionelle Antisemitismus zunehmend auf eine neue Ebene. Alte Feindbilder und Stereotype wurden nun auf den jüdischen Staat projiziert: Aus dem Satz "Die Juden sind unser Unglück" wurde "Israel ist unser Unglück". Damit wandelte sich der jahrhundertealte Hass gegen Jüd*innen in eine Feindseligkeit gegenüber Israel als ihrem kollektiven Symbol.
 

Israel wurde fortan zum Ziel neuer Zuschreibungen und diffamierender Etiketten. Der Staat galt in antisemitischen Narrativen als "Kolonialstaat", "Terrorstaat", "Kindermörder" oder "Apartheidstaat" – Begriffe, die nicht auf sachliche Kritik zielen, sondern die Existenz und Legitimität Israels infrage stellen.
 

Unter dem Deckmantel des Antizionismus wird bis heute oft eine Haltung vertreten, die zwischen berechtigter politischer Kritik und delegitimierender Dämonisierung nicht unterscheidet. So dient die vermeintliche Israelkritik häufig als Ersatzform des Antisemitismus – ein Versuch, alte Ressentiments in neuer Sprache zu äußern.

Heute

  

In der Gegenwart zeigt sich Antisemitismus vor allem in israelbezogener Form. Anstatt Jüd*innen direkt anzugreifen, wird heute häufig der Staat Israel selbst zur Projektionsfläche antisemitischer Stereotype. Dabei treten drei zentrale Muster besonders deutlich hervor: Delegitimierung, Dämonisierung und Doppelte Standards.
 

Unter Delegitimierung versteht man die grundsätzliche Infragestellung der Existenz Israels. Israel wird als "Kolonialstaat" oder "künstlicher Staat" bezeichnet, dessen Gründung als illegitim gilt. In extremen Fällen wird sogar seine Abschaffung oder "Rückabwicklung" gefordert. Die Dämonisierung Israels zeigt sich in Vergleichen mit dem nationalsozialistischen Deutschland – etwa durch Bezeichnungen wie "Kindermörder", "Nazis" oder durch die Darstellung Israels als das "größte Übel der Weltpolitik". Solche Zuschreibungen dienen nicht der Kritik, sondern der moralischen Diffamierung. Von Doppelten Standards spricht man, wenn Israel nach anderen Maßstäben beurteilt wird als andere Staaten. Während viele Länder in militärische oder politische Konflikte verwickelt sind, wird oftmals nur Israel das Existenzrecht abgesprochen. Diese Ungleichbehandlung ist ein zentrales Kennzeichen israelbezogenen Antisemitismus.

Studien – unter anderem der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) und der Bundesregierung – zeigen, dass der israelbezogene Antisemitismus heute die häufigste Form des Antisemitismus in Europa ist. Seine Verbreitung wird besonders durch soziale Medien verstärkt, in denen Narrative kursieren wie: "Israel steuert die Medien", "inszeniert Konflikte" oder "begeht Völkermord".
 

Hinzu kommt, dass antizionistische Positionen längst nicht mehr auf ein politisches Spektrum beschränkt sind. Sie finden sich sowohl im linken als auch im rechten politischen Milieu sowie im islamistischen Extremismus. So hat sich der israelbezogene Antisemitismus zu einem globalen Phänomen entwickelt, das alte Vorurteile in neuer Sprache fortsetzt.

Ein Projekt von RIAS Niedersachsen in Kooperation mit dem Israel Jacobson Netzwerk e.V.
Wir danken Katarzyna Miszkiel-Deppe (Leiterin RIAS Niedersachsen) herzlich für die fachliche Ausarbeitung und ihre Expertise.

 

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